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ClayFighter: Sculptor’s Cut und Body Harvest sind wieder als N64-Module erhältlich

N64-artiges Spielmodul neben Knetfiguren auf einem Basteltisch – redaktionelles Symbolbild

Ein seltenes N64-Modul lässt sich wieder kaufen, ohne einen Sammlerpreis im vierstelligen Bereich zu zahlen: ModRetro verkauft eine neue Ausgabe von ClayFighter: Sculptor’s Cut. Gleichzeitig bringt der Hersteller Body Harvest als physisches Modul zurück. Beide Titel sind im offiziellen M64-Shop mit jeweils 49,99 US-Dollar gelistet. Laut ModRetro funktionieren die Module nicht nur mit der eigenen M64-Konsole, sondern auch mit einem originalen Nintendo 64. Für alle, die tatsächlich spielen statt eine Vitrine zu füllen, ist dieser letzte Punkt wichtiger als der Seltenheitsmythos.

Sculptor’s Cut hat einen ungewöhnlichen Ruf. Die erweiterte Fassung von ClayFighter 63⅓ erschien 1998 in den USA exklusiv für den Verleih bei Blockbuster. Regulär im Laden kaufen konnte man sie nicht. Nach dem Ende der Videothekenzeit blieben vergleichsweise wenige Module im Umlauf, und Sammlerpreise stiegen entsprechend. Der historische Preis sagt aber wenig darüber, ob das Spiel selbst Spaß macht. Knappheit ist ein Marktmechanismus, keine Qualitätswertung. Gerade deshalb ist eine bezahlbare Neuauflage interessant: Sie nimmt dem Titel etwas von seiner Glasvitrinen-Aura und gibt ihm eine Chance als Spiel.

Was an Sculptor’s Cut anders ist

ModRetro beschreibt Sculptor’s Cut als erweiterte und neu ausbalancierte Version von ClayFighter 63⅓. Vier zuvor gestrichene Kämpfer kehren zurück; damit nennt der Hersteller insgesamt 16 Figuren. Der Reiz der Reihe liegt in ihrer eigenwilligen Knetoptik und im Versuch, das damals allgegenwärtige Genre der Prügelspiele zu parodieren. Figuren und Animationen wirken bewusst überdreht. Das ist unverwechselbar, doch eine verrückte Optik löst noch keine Steuerungsprobleme und ersetzt keine guten Kämpfe. Wer das Modul bestellt, sollte es als kurioses Stück N64-Geschichte sehen, nicht als automatisch wiederentdecktes Genre-Meisterwerk.

Die neue Verfügbarkeit verändert auch die Bedeutung des Originals. Ein altes Blockbuster-Modul bleibt für Sammler ein anderes Objekt, mit eigener Geschichte und eigener Nachfrage. Die Neuauflage macht diese Geschichte zugänglich, ohne sie auszulöschen. Wer nur wissen will, wie Sculptor’s Cut spielt, muss die historische Verleihkassette nicht zum Anlageobjekt verklären. So gehört sich Spieleerhaltung: Ein Spiel sollte wieder auf Hardware laufen können, statt nur in Preislisten aufzutauchen.

Die Ankündigung von ModRetro nennt die Blockbuster-Vergangenheit ausdrücklich und stellt die zusätzlichen Charaktere vor. Angaben über Produktionsmenge, Langzeitverfügbarkeit und mögliche regionale Versandkosten sollte man beim konkreten Kauf prüfen. Der US-Preis ist nicht automatisch der Endbetrag für Käufer in Deutschland; Versand und gegebenenfalls Abgaben können hinzukommen.

Body Harvest: Das sperrige Gegenstück

Body Harvest ist die zweite Neuauflage und fast das Gegenteil von ClayFighters greller Schaukampf-Bühne. DMA Design entwickelte 1998 ein Actionspiel mit großen Karten, Zeitreisen und einem bemerkenswert offenen Aufbau. Die Spielfigur springt durch mehrere Epochen des 20. Jahrhunderts und versucht, eine Alien-Invasion aufzuhalten. Fahrzeuge sind dabei nicht nur Dekoration: Laut ModRetro stehen mehr als 60 zur Verfügung, vom Auto über Panzer bis zum Doppeldecker. Der Wechsel zwischen Fortbewegung, Kampf und Erkundung war für das Nintendo 64 ungewöhnlich ambitioniert.

Die Verbindung zu DMA Design und später Rockstar North lädt zu vorschnellen Schlagzeilen ein: „das erste GTA 3D“ klingt griffig, trifft das Spiel aber nicht sauber. Body Harvest hat offene Areale und frei nutzbare Fahrzeuge, doch sein Tempo, seine Missionsstruktur und sein Science-Fiction-Szenario sind eigenständig. Interessant ist es gerade als grober, experimenteller Entwurf aus einer Zeit, in der viele Studios erst lernten, was dreidimensionale Welten leisten können. Wer heutige Komfortstandards erwartet, dürfte an Kamera, Orientierung und Tempo eher Geduld brauchen.

ModRetro nennt in seiner Body-Harvest-Vorstellung die verschiedenen Schauplätze und Fahrzeuge. Wie exakt die neue Produktion das Original technisch wiedergibt, lässt sich aus einer Shopbeschreibung allein nicht abschließend beurteilen. Für Sammler ist auch die Verarbeitungsqualität des Moduls interessant; für Spieler zählen Kompatibilität, Speicherfunktion und ein problemloser Start auf der eigenen Konsole.

Die Stärke der neuen Module liegt im Gebrauch

Neue N64-Module sind mehr als Retro-Deko. Sie bewahren eine Art des Spielens, die viele moderne Sammlungen nur simulieren: Kassette einstecken, Konsole einschalten, mit dem ursprünglichen Controller loslegen. Bei ClayFighter steht dabei ein einst unzugängliches Mietexklusivspiel im Mittelpunkt. Body Harvest gewinnt, weil seine Ecken und seine großen Ideen auf der ursprünglichen Hardware wieder erfahrbar werden. Beide Veröffentlichungen verdienen Interesse, aber aus unterschiedlichen Gründen. Der eine Titel ist historisch rar; der andere war spielerisch erstaunlich mutig. Die Wiederveröffentlichung macht beide endlich wieder zu Spielen, über die man urteilen kann.

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