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16 unterschätzte Nintendo-DS-Spiele, die heute noch überraschen

Heller Schreibtisch mit einem neutralen Dual-Screen-Handheld, Eingabestift und unbeschrifteten Spielmodulen

Erfolgreiche Konsolen werden oft auf eine Handvoll Symbole reduziert. Beim Nintendo DS sind es der Hund auf dem Touchscreen, das tägliche Gehirntraining und die großen Marken des Herstellers. Doch hinter diesen Verkaufsschlagern lag eine bemerkenswert breite Spielelandschaft. Sie brachte Mystery-Abenteuer, eigenwillige Rollenspiele, taktische Experimente und Hybride hervor, die auf kaum einer anderen Plattform denkbar gewesen wären. Sechzehn davon erzählen bis heute viel darüber, warum der DS eine der kreativsten Spielmaschinen seiner Generation war.

Warum der Nintendo DS Experimente begünstigte

Mit zwei Bildschirmen, einem berührungsempfindlichen unteren Display, Mikrofon und drahtloser Verbindung war der DS 2004 zunächst ein Wagnis. Seine Technik wirkte weniger spektakulär als die Grafikleistung der PlayStation Portable. Dafür zwang sie Studios, Bedienung neu zu denken. Karten ließen sich direkt beschriften, Gegenstände mit dem Stift bewegen, Wege zeichnen und mehrere Spielebenen gleichzeitig darstellen. Aus einer vermeintlichen Beschränkung entstand ein Designlabor.

Der enorme Markterfolg verstärkte diesen Effekt. Neben sicheren Großproduktionen fanden kleine und mittlere Projekte ein Publikum. Manche erreichten Europa nie, andere verschwanden zwischen Lizenzspielen und bekannten Nintendo-Marken. Dass ein Titel heute als Geheimtipp gilt, sagt deshalb nicht zwingend etwas über seine damalige Qualität aus. Häufig fehlten Marketing, Übersetzungen oder schlicht der richtige Zeitpunkt.

Wer die Hardware heute wiederentdeckt, findet praktische Hinweise in unserem Ratgeber Nintendo DS gebraucht kaufen: Modelle, Preise und Checkliste 2026. Der folgende Rückblick konzentriert sich dagegen auf die Spiele – auf ihre Ideen, ihre Schwächen und ihre heutige Relevanz.

Alle 16 Spiele im Überblick

Spiel Erstveröffentlichung Genre Besondere DS-Idee Heute erreichbar
The Legend of Zelda: Phantom Hourglass 2007 Action-Adventure Komplette Touchpen-Steuerung, Notizen auf Karten Vor allem DS-Modul
Heroes of Mana 2007 Echtzeitstrategie/RPG Einheitensteuerung per Touchscreen DS-Modul
Ghostbusters: The Video Game 2009 Action-Adventure Eigene Handheld-Umsetzung mit Touch-Elementen DS-Modul
Glory of Heracles 2008/2010 JRPG Stiftgesten verstärken Zauber Importmodul
9 Hours, 9 Persons, 9 Doors 2009/2010 Visual Novel/Puzzle Erzählung und Rätsel auf zwei Ebenen DS-Import oder moderne Sammlung
Beyond the Yellow Brick Road 2008/2009 JRPG Bewegung über virtuellen Trackball Importmodul
Bomberman Story DS 2007 Action-RPG/Puzzle Stift- und Mikrofonrätsel DS-Modul, auch deutsche Fassung
Nostalgia 2008/2009 JRPG Luftschiffkämpfe und Weltreise Importmodul
Ghost Trick: Phantom-Detektiv 2010/2011 Puzzle-Adventure Objekte besetzen und Zeit zurückdrehen DS oder moderne Neuauflage
Sonic Chronicles 2008 RPG Touch-Kommandos im Kampf DS-Modul
Dragon Quest Heroes: Rocket Slime 2005/2006 Action-Adventure Zwei Ebenen für spektakuläre Panzerduelle Importmodul
Monster Tale 2011 Metroidvania/Pet-Sim Heldin oben, Begleitmonster unten Importmodul
Sands of Destruction 2008/2010 JRPG Kombokämpfe und aufwendige Inszenierung Importmodul
Henry Hatsworth 2009 Plattformer/Puzzle Action oben, Blockrätsel unten DS-Modul
Okamiden 2010/2011 Action-Adventure Göttlicher Pinsel per Touchpen DS-Modul
Contact 2006 RPG Spielwelt und Beobachterebene getrennt DS-Modul

1. The Legend of Zelda: Phantom Hourglass – ein vertrautes Abenteuer, radikal anders bedient

Phantom Hourglass ist kaum vergessen, wird im Zelda-Kanon aber oft zwischen The Wind Waker und den großen 3D-Episoden übersehen. Gerade deshalb gehört es in diese Auswahl. Link wird vollständig mit dem Touchpen bewegt, Angriffe entstehen durch Tippen und Streichen, die Route des Bumerangs wird direkt auf den Bildschirm gezeichnet. Auf Karten lassen sich Hinweise notieren – eine einfache Funktion, die Rätsel und Navigation organisch verbindet.

Die wiederholten Besuche im Tempel des Meereskönigs bleiben umstritten, weil Zeitdruck und erneut zu durchquerende Räume den Spielfluss bremsen können. Gleichzeitig zeigt dieser zentrale Dungeon, wie konsequent Nintendo ein traditionelles Abenteuer an ein neues Eingabegerät anpasste. Heute fühlt sich die Steuerung nicht immer präziser, aber eigenständiger an als eine bloße Tastenlösung. Das macht den Titel historisch wichtiger, als sein Ruf vermuten lässt.

2. Heroes of Mana – Strategie im Taschenformat

Square Enix versuchte mit Heroes of Mana, die farbenfrohe Rollenspielwelt der Mana-Reihe in ein Echtzeitstrategiespiel zu verwandeln. Einheiten werden mit dem Stift markiert und über das Schlachtfeld geschickt, während Basen neue Truppen hervorbringen. Das Konzept passt auf dem Papier perfekt zum Touchscreen: markieren, ziehen, kommandieren.

In der Praxis kämpfen Wegfindung und Übersicht gelegentlich gegen die Hardware. Gerade diese Reibung macht das Spiel interessant. Es ist kein verkapptes PC-Strategiespiel, sondern ein Versuch, das Genre für kurze mobile Einsätze umzubauen. Wer geduldig mit den Eigenheiten der Einheitensteuerung umgeht, entdeckt ein ambitioniertes Experiment mit hübscher 2D-Grafik und überraschend ernster Geschichte.

3. Ghostbusters: The Video Game – mehr als eine verkleinerte Portierung

Die DS-Ausgabe von Ghostbusters: The Video Game steht im Schatten der technisch aufwendigeren Heimkonsolenfassungen. Sie ist jedoch keine simple Miniatur. Perspektive, Figurenstil und Missionsaufbau wurden für den Handheld neu interpretiert. Geister werden aufgespürt, mit dem Protonenstrahl geschwächt und in Fallen gezogen; zwischendurch verwaltet das Team Ausrüstung und Einsätze.

Natürlich fehlt die filmische Wucht der großen Version. Dafür besitzt diese Umsetzung einen klaren eigenen Rhythmus und erinnert daran, wie unterschiedlich Lizenzspiele vor der Ära weitgehend identischer Multiplattform-Veröffentlichungen ausfallen konnten. Wer die Geschichte bereits kennt, bekommt keine definitive Fassung, aber eine charmante alternative Lesart.

4. Glory of Heracles – klassisches JRPG mit mythologischem Dreh

Glory of Heracles stammt aus einer in Japan traditionsreichen Rollenspielreihe, deren DS-Episode im Westen nur begrenzte Aufmerksamkeit erhielt. Die Reise durch eine humorvoll interpretierte griechische Mythologie beginnt klassisch: eine Gruppe vermeintlich Unsterblicher, verlorene Erinnerungen, rundenbasierte Kämpfe. Den besonderen Akzent setzen Touch-Gesten, mit denen Angriffe und Zauber verstärkt werden können.

Das Spiel revolutioniert sein Genre nicht. Seine Stärke liegt in einer warmen Abenteuerstimmung, zugänglichen Systemen und einem Thema, das sich angenehm von mittelalterlichen Standardwelten abhebt. Wer ein fokussiertes, eher traditionelles JRPG sucht, findet hier gerade wegen der Konventionalität einen sympathischen Gegenpol zu den experimentelleren Titeln dieser Liste.

5. 9 Hours, 9 Persons, 9 Doors – wenn Hardware zur Erzähltechnik wird

Neun Menschen, neun nummerierte Türen und neun Stunden Zeit: 999 verbindet eine Visual Novel mit Escape-Room-Rätseln und einer Geschichte, die sich erst über mehrere Durchläufe vollständig erschließt. Entscheidungen verändern Beziehungen, Wege und Enden. Der Clou liegt nicht allein in den Wendungen, sondern darin, wie Text, Spielerwissen und die beiden Bildschirme ineinandergreifen.

Über Einzelheiten sollte man möglichst wenig wissen. Wichtig ist nur: Die ursprüngliche DS-Fassung nutzt ihre Hardware für einen erzählerischen Effekt, den spätere Versionen zwangsläufig anders lösen. Moderne Sammlungen machen das Abenteuer komfortabler zugänglich, doch das Original bleibt ein Beispiel dafür, dass ein Gerät nicht nur Eingabemedium, sondern Bestandteil einer Geschichte sein kann.

Deutsches Gameplay zu 999: Das frühe Spiel vermittelt Atmosphäre und Rätselstruktur, ohne die späteren Wendungen vorwegzunehmen.

6. Beyond the Yellow Brick Road – Oz als ungewöhnliches Rollenspiel

Beyond the Yellow Brick Road greift Motive aus „Der Zauberer von Oz“ auf und übersetzt sie in ein farbenprächtiges JRPG. Besonders auffällig ist die Bewegung: Ein virtueller Trackball auf dem Touchscreen wird mit dem Finger oder Stift gerollt. Das wirkt zunächst verspielt, verlangt bei Richtungswechseln aber mehr Gewöhnung als ein Steuerkreuz.

Kämpfe basieren auf einem Schere-Stein-Papier-artigen Verhältnis verschiedener Begleiter und zwingen zu einer sinnvollen Gruppenzusammenstellung. Inhaltlich bleibt das Abenteuer überschaubar; ästhetisch besitzt es eine traumhafte, fast bilderbuchhafte Qualität. Weil der Titel nicht regulär in Europa erschien, blieb er hierzulande ein Import-Geheimtipp.

7. Bomberman Story DS – Bomben, Rätsel und Rollenspielelemente

Wer Bomberman nur mit rasterförmigen Mehrspielerarenen verbindet, erlebt mit Bomberman Story DS eine Überraschung. Der weiße Held erkundet Planeten, sammelt Ausrüstung, erfüllt Aufgaben und nutzt unterschiedliche Bombentypen, um Wege freizulegen oder Gegner zu besiegen. Touchscreen und Mikrofon fließen in einzelne Rätsel ein, ohne das klassische Explosionsprinzip vollständig zu verdrängen.

Die Mischung erreicht nicht in jedem Bereich die Eleganz der besten Serienepisoden. Sie besitzt aber den Reiz eines Maskottchen-Abenteuers, das bewusst aus seinem vertrauten Rahmen ausbricht. Für europäische Sammler ist außerdem interessant, dass eine lokalisierte Modulversion erschien – bei vielen anderen Spielen dieser Auswahl ist ein Import nötig.

8. Nostalgia – mit dem Luftschiff um eine alternative Erde

Nostalgia verbindet viktorianisch anmutende Technik, reale Orte und klassische JRPG-Strukturen. Die Reise führt von London über Kairo bis nach Tokio, während ein Luftschiff zugleich Transportmittel und Kampfsystem ist. Diese Luftkämpfe geben dem Abenteuer ein eigenes Profil: Höhe, Bewaffnung und gegnerische Positionen verlangen andere Entscheidungen als die Gefechte zu Fuß.

Die Handlung folgt bekannten Motiven und die Dungeons können sich wiederholen. Doch die optimistische Entdeckerstimmung trägt viel. Das Spiel wirkt wie ein Taschenroman aus einer Welt, in der Jules Verne ein Rollenspiel entworfen hätte. Gerade weil große Budgets heute selten in derart geradlinige Abenteuer fließen, hat Nostalgia an Charme gewonnen.

9. Ghost Trick: Phantom-Detektiv – das Meisterstück der Kettenreaktion

Sissel ist tot, kennt weder seine Identität noch seinen Mörder und hat nur bis zum Sonnenaufgang Zeit. Als Geist springt er zwischen Gegenständen, manipuliert sie und reist vier Minuten vor den Tod eines Menschen zurück. Aus Lampen, Fahrrädern, Telefonleitungen und Alltagsgegenständen entstehen kleine Maschinen, mit denen scheinbar unvermeidliche Ereignisse verändert werden.

Entwickelt unter Leitung von Ace Attorney-Schöpfer Shu Takumi, vereint Ghost Trick präzise Animation, trockenen Humor und sorgfältig konstruierte Rätsel. Einige Lösungen sind stärker vorgegeben, als die offene Szenerie zunächst suggeriert. Dennoch ist das Spiel bemerkenswert geschlossen: Mechanik, Figuren und Erzählung zahlen auf dasselbe Thema ein. Die moderne Neuauflage macht es heute wesentlich leichter zugänglich, ohne den Wert der DS-Fassung zu schmälern.

Deutsches Gameplay zu Ghost Trick zeigt, wie aus einfachen Objektmanipulationen präzise getaktete Rätselketten entstehen.

10. Sonic Chronicles: Die Dunkle Bruderschaft – BioWares ungewöhnlichstes Rollenspiel

Ein Sonic-Rollenspiel von BioWare klingt bis heute wie ein alternatives Stück Spielegeschichte. Sonic Chronicles verbindet Erkundung, Dialogentscheidungen und rundenbasierte Teamkämpfe. Spezialangriffe werden über Touch-Gesten ausgelöst; außerhalb der Gefechte öffnen Figurenfähigkeiten unterschiedliche Wege.

Das Ergebnis ist ungleichmäßig. Der Soundtrack leidet unter der knappen Audioqualität, manche Touch-Sequenzen wiederholen sich, und die Geschichte endet offener, als es einem Einzelspiel guttut. Gleichzeitig besitzt der Titel Ideen, die in späteren Sonic-Spielen kaum aufgegriffen wurden: Teamchemie, optionale Gespräche und eine Welt, die mehr sein will als eine Abfolge schneller Levels. Als Kuriosum ist das faszinierend, als Rollenspiel zumindest solide.

11. Dragon Quest Heroes: Rocket Slime – Panzerduelle mit Schleimfaktor

Rocket Slime macht ein bekanntes Dragon-Quest-Maskottchen zum Helden eines fröhlichen Action-Adventures. Rocket schleudert sich gegen Gegner und Objekte, rettet entführte Schleime und sammelt alles, was später als Munition dienen kann. Höhepunkte sind die riesigen Panzerduelle: Geschosse werden geladen, gegnerische Projektile abgefangen und Enterangriffe gestartet.

Der obere Bildschirm zeigt dabei die Konfrontation der Maschinen, während unten im Panzer hektisch Material transportiert wird. Kaum ein Spiel erklärt die Idee des DS so unmittelbar: Zwei Perspektiven sind gleichzeitig wichtig. In Europa erschien diese Episode nicht regulär, weshalb ein US- oder Japan-Import nötig ist. Sprachkenntnisse helfen, doch die Grundmechanik ist schnell verständlich.

12. Monster Tale – Metroidvania und Begleiterpflege auf zwei Ebenen

In Monster Tale erkundet Ellie auf dem oberen Bildschirm eine zusammenhängende Welt, während ihr Begleitmonster Chomp unten trainiert, schläft oder mit gefundenen Gegenständen interagiert. Per Knopfdruck wechselt Chomp zwischen beiden Ebenen und hilft im Kampf. Neue Formen und Fähigkeiten öffnen zuvor unzugängliche Bereiche.

Das ist eine der klügsten Zwei-Bildschirm-Ideen der späten DS-Ära. Wiederholte Wege und eine etwas zu lange Schlussphase verhindern den Klassikerstatus, doch das zentrale Zusammenspiel bleibt frisch. Weil der Titel 2011 spät und vor allem in Nordamerika erschien, ging er im Übergang zum 3DS unter. Für Fans kompakter Metroidvanias ist er heute eine der spannendsten Entdeckungen dieser Liste.

13. Sands of Destruction – ein JRPG mit umgekehrter Mission

Normalerweise retten Rollenspielgruppen die Welt. In Sands of Destruction schließt sich der zurückhaltende Kyrie einem „World Annihilation Front“ genannten Bündnis an, das die bestehende Ordnung beenden will. Hinter der provokanten Ausgangslage steckt ein vergleichsweise klassisches JRPG mit Kombos, Luftangriffen und einer prominent inszenierten Handlung.

Die moralischen Fragen werden nicht immer so tief verfolgt, wie der Titel hoffen lässt, und Zufallskämpfe können ermüden. Trotzdem besitzt das Abenteuer Tempo, starke Figurenmomente und eine ungewöhnliche Prämisse. Es repräsentiert eine Phase, in der auch mittelgroße Handheld-Rollenspiele auf aufwendige Zwischensequenzen, Sprachausgabe und große Geschichten setzten.

14. Henry Hatsworth – Plattformer und Blockrätsel in perfekter Spannung

Henry Hatsworth in the Puzzling Adventure teilt das Geschehen buchstäblich: Oben läuft ein präziser Action-Plattformer, unten stapeln sich farbige Blöcke. Besiegte Gegner landen im Puzzlefeld und können zurückkehren, wenn der Spieler sie nicht rechtzeitig entfernt. Wer nach unten wechselt, löst Kombinationen, lädt Energie und schafft Luft für die nächste Actionphase.

Beide Systeme wären für sich ordentlich; gemeinsam erzeugen sie einen stetigen Entscheidungsdruck. Späte Abschnitte sind anspruchsvoll und gelegentlich gnadenlos, doch die Verzahnung bleibt vorbildlich. Das Spiel nutzt den zweiten Bildschirm nicht als Karte oder Inventar, sondern als gleichberechtigte Mechanik – ein Entwurf, der selbst innerhalb des DS-Katalogs selten ist.

15. Okamiden – Malerei im Taschenformat

Okamiden führt die Welt von Okami mit Chibiterasu, einem jungen weißen Wolf, fort. Der Göttliche Pinsel passt fast selbstverständlich zum Touchscreen: Das Geschehen wird angehalten, Linien und Symbole verändern die Umgebung, reparieren Wege oder greifen Gegner an. Der Sumi-e-inspirierte Stil bleibt auch auf der schwächeren Hardware unverwechselbar.

Die kleineren Areale und häufigen Partnerwechsel machen das Abenteuer kompakter als seinen Vorgänger. Manche Wege werden mehrfach benutzt, und die ausschließlich englische Sprachfassung der europäischen Ausgabe ist eine Hürde. Dennoch gehört Okamiden zu den technisch und künstlerisch überzeugendsten späten DS-Spielen. Es beweist, dass eine gute Eingabeidee wichtiger sein kann als hohe Auflösung.

16. Contact – ein Rollenspiel beobachtet seinen Spieler

Contact beginnt mit einer Trennung: Auf einem Bildschirm sitzt ein Professor in einer vermeintlich sicheren Kontrollwelt, auf dem anderen strandet Terry in einer farbenfrohen Spielwelt. Der Professor spricht den Spieler direkt an und macht ihn zum Beteiligten. Damit entsteht früh ein leiser Zweifel daran, wer hier eigentlich wen steuert.

Unter dieser Meta-Ebene steckt ein eigenwilliges Action-RPG mit automatisch ausgeführten Angriffen, Berufen, Kostümen und vielen versteckten Systemen. Nicht alles wird verständlich erklärt, und das Training einzelner Werte kann zäh sein. Doch genau diese Sperrigkeit gehört zur Identität. Contact ist kein rund poliertes Abenteuer, sondern ein Spiel, das neugierig auf seine eigenen Regeln macht.

Weitere deutschsprachige DS-Geheimtipps mit Gameplay – als Ergänzung zu den sechzehn hier vorgestellten Spielen.

Welche dieser DS-Spiele lohnen sich heute besonders?

Die klarste Empfehlung ist Ghost Trick. Das Rätseldesign ist kaum gealtert, die Animationen sind außergewöhnlich und eine moderne Neuauflage erspart die Suche nach einem teuren Modul. 999 ist ähnlich stark, richtet sich aber an Leserinnen und Leser, die viel Text und wiederholte Durchgänge mögen. Wer die originale DS-Fassung wählt, erlebt die Hardware-Idee in ihrer konsequentesten Form.

Phantom Hourglass und Okamiden sind die besten Beispiele für Spiele, deren Bedienung untrennbar mit dem Touchscreen verbunden ist. Henry Hatsworth und Monster Tale empfehlen sich für Fans anspruchsvoller 2D-Action. Bei den Rollenspielen hängt die Wahl stärker vom Geschmack ab: Nostalgia bietet klassische Abenteuerromantik, Contact experimentiert mit Perspektive, Glory of Heracles setzt auf Vertrautheit und Sands of Destruction auf dramatische Inszenierung.

Beim Kauf gilt: regionale Fassungen, Sprache und Zustand des Moduls vorher prüfen. Originale DS-Spiele sind grundsätzlich nicht an Konten gebunden, doch viele Geheimtipps wurden nur in Japan oder Nordamerika veröffentlicht. Für allgemeine Hinweise zu legaler Emulation und Hardware-Alternativen hilft unser Überblick Bester Emulator für PC: Programme für Retro-Gaming 2026. Wer den größeren historischen Kontext sucht, findet ihn in unserem Nintendo-Lexikon und im Porträt Nintendo GameCube: Geschichte, Spiele und Erbe.

Classic-Gamez-Fazit: Der Nintendo DS war nicht nur erfolgreich, sondern strukturell offen für Ideen, die auf gewöhnlicher Hardware schwer zu erklären gewesen wären. Nicht jedes Experiment dieser sechzehn Spiele gelingt vollständig. Gerade die sichtbaren Kanten machen den Rückblick wertvoll: Hier probierten Entwickler aus, wie sich Berührung, zwei Bildschirme und kurze mobile Spielsitzungen in neue Formen übersetzen lassen. Die besten Ergebnisse – Ghost Trick, 999, Henry Hatsworth, Okamiden und Rocket Slime – fühlen sich deshalb nicht wie verkleinerte Konsolenspiele an. Sie fühlen sich wie echte DS-Spiele an.

Quellen und weiterführende Informationen

Stand: 2. Oktober 2026. Verfügbarkeit und Gebrauchtmarktpreise können sich ändern. Angaben zu Veröffentlichungsjahren beziehen sich je nach Titel auf die japanische Erstveröffentlichung beziehungsweise die erste westliche Fassung.

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