Taki Udon hat mit dem SuperStation Pocket einen neuen Handheld angekündigt, der gleich mehrere Wünsche der Retro-Szene auf einmal bedienen soll. Echte Module für Game Boy, Game Boy Color und Game Boy Advance, ein leistungsfähiger FPGA, offene Software und ein Dock mit HDMI-Ausgabe bis 4K: Die Liste ist lang. Sichtbar ist vom Gerät bislang jedoch kaum mehr als eine verdeckte Silhouette. Wer jetzt schon ein fertiges Konkurrenzprodukt zum Analogue Pocket ausruft, überspringt den wichtigsten Teil der Geschichte: den Nachweis, dass diese Kombination im Alltag funktioniert.
Die Modulunterstützung ist der greifbarste Punkt der Ankündigung. Ein Gerät mit Steckplatz für die drei Game-Boy-Generationen könnte vorhandene Sammlungen direkt nutzbar machen. Das ist ein anderes Versprechen als ein weiterer Handheld, der nur ROM-Dateien von einer Speicherkarte startet. Für Besitzer alter Module zählen allerdings Details, über die ein Teaser noch nichts sagt: Wie sicher sitzen die unterschiedlich geformten Kassetten? Werden Spielstände zuverlässig gelesen und geschrieben? Wie verhält sich das Gerät bei Modulen mit Zusatzhardware? Solche Fragen entscheiden über den Nutzen stärker als ein Foto mit verdecktem Gehäuse.
FPGA ist eine Methode, kein Kompatibilitätsstempel
Laut Udon soll der FPGA nicht bei Game Boy Advance enden. Er nennt Cores bis hin zu PlayStation und Nintendo 64. Ein FPGA kann Teile alter Hardware als digitale Schaltung nachbilden; das ist technisch reizvoll, aber nicht automatisch eine Garantie für vollständige Kompatibilität. Ein Core muss entwickelt, gepflegt und für die konkrete Hardware angepasst werden. Gerade beim Nintendo 64 kommen Timing, Grafikbesonderheiten und Controllerfunktionen hinzu. Die Ankündigung beschreibt eine Zielrichtung, keine veröffentlichte Spieleliste mit unabhängigen Kompatibilitätstests.
Beim Vergleich mit dem Analogue Pocket lohnt sich dieselbe Nüchternheit. Das Gerät von Analogue ist seit Jahren erhältlich und hat eine bekannte Hardwarebasis sowie eine Community für OpenFPGA. Der SuperStation Pocket könnte beim Preis und bei den Möglichkeiten des Docks spannend werden. Ob er ähnliche Reife erreicht, zeigt sich erst an einem Seriengerät. Ein günstiger Preis allein hilft wenig, wenn Lieblingsmodule unzuverlässig laufen oder ein Core nach der Präsentation nicht mehr gepflegt wird.
Was „4K über Dock“ wirklich bedeutet
Das angekündigte, laut Udon preisgünstige Dock soll HDMI bis 4K liefern. Diese Zahl beschreibt zunächst das Ausgabesignal an den Fernseher, nicht die native Auflösung eines Game-Boy-Spiels. Gerade bei alten Handhelds geht es darum, die wenigen ursprünglichen Bildpunkte mit sinnvollen ganzzahligen Faktoren, passenden Seitenverhältnissen und geringer Verzögerung auf ein großes Display zu bringen. Ob das Dock das überzeugend löst, ist offen. Für manche Spieler wäre ein sauberer 1080p-Modus mit gutem Pixelraster hilfreicher als ein schlecht abgestimmtes 4K-Etikett.
Hinzu kommt die Frage der Bedienung. Ein Gerät für Game Boy und Nintendo 64 braucht unterschiedliche Eingaben. Die verfügbaren Teaser zeigen keine vollständige, verbindliche Erklärung zu Tasten, Sticks, Anschlüssen oder ergonomischen Kompromissen. Ein handheldfreundliches Game-Boy-Layout und eine brauchbare N64-Steuerung sind kein Selbstläufer. Auch Akku, Bildschirm, Lautsprecher und Gewicht stehen noch nicht so fest, dass man daraus eine Kaufempfehlung ableiten könnte.
Preis und Termin bleiben offen
Beim Preis deutet Udon eine Zahl im Bereich von 100 bis unter 200 US-Dollar an. Ein genauer Betrag wurde nicht genannt; aus dem angedeuteten „$1__“ wird noch kein verbindliches Angebot. Ebenso fehlen ein verlässlicher Vorbestelltermin und ein bestätigter Versandplan. In der Berichterstattung zum ursprünglichen Teaser sind die genannten Ziele zusammengefasst. Das Gerät ist außerdem vom zuvor gezeigten FPGBA-SP-Projekt zu unterscheiden: Der Klapphandheld und der SuperStation Pocket sind laut Udon separate Vorhaben.
Gerade weil die Idee stark ist, sollte die Erwartung konkret bleiben. Ein offener, modulfreundlicher FPGA-Handheld zu einem fairen Preis wäre eine erfreuliche Ergänzung. Der nächste sinnvolle Schritt ist ein unbedecktes Gerät mit Anschlüssen, Tastenlayout und Vorführung echter Module. Danach braucht es nachvollziehbare Tests zu Bild, Ton, Spielständen und den angekündigten Cores. Bis dahin ist der SuperStation Pocket eine interessante Ankündigung. Ein fertiger Analogue-Pocket-Rivale steht noch nicht auf dem Tisch.
