Ein Geist, ein Maulwurf und ein Flipper mit Alligator-Motiven: Nintendos Game-Boy-Nachschub klingt erfreulicherweise nicht nach der nächsten Pflichtübung mit den immer gleichen Maskottchen. Avenging Spirit, Mole Mania und Revenge of the ’Gator ergänzen seit dem Update vom 27. Oktober 2026 die Game Boy – Nintendo Classics-App. Nintendo führt die Titel auch in seiner Oktober-Übersicht.
Für die Game-Boy-Bibliothek reicht die reguläre Nintendo-Switch-Online-Mitgliedschaft. Das Erweiterungspaket ist dafür nicht nötig, wie die offizielle Übersicht der Abo-Stufen erklärt. Eine nette Nachricht für alle, die einfach spielen möchten, ohne zuerst die Tarifkunde-Prüfung abzulegen.
Avenging Spirit: Der Held bringt den Körper nicht dauerhaft mit
Avenging Spirit erschien zuerst in der Spielhalle und später für den Game Boy. Der Kniff: Deine Figur ist ein Geist und kann andere Körper übernehmen. Mit dem Körper wechseln die Möglichkeiten, Hindernisse und Gegner anzugehen. Du suchst also nicht nur den nächsten Ausgang, sondern auch passende Fähigkeiten.
Das finden wir deutlich interessanter als einen bloßen Kostümwechsel. Eine neue Figur verändert hier die nächste Entscheidung. Wenn der übernommene Körper scheitert, bedeutet das außerdem nicht automatisch das Ende der Geisterfigur. Ein ungewöhnlicher Plattformer, bei dem Beobachten und Ausprobieren zur Bewegung dazugehören.
Die Handheld-Fassung ist dabei nicht einfach das unveränderte Arcade-Bild in kleiner. Begrenzte Darstellung und Rechenleistung verlangen Anpassungen. Wer die Vorlage kennt, hat einen reizvollen Vergleich; wer neu einsteigt, darf erst einmal die eigensinnige Grundregel kennenlernen.
Die digitale Verfügbarkeit trennt zudem zwei Interessen: ein Originalmodul sammeln und das Spiel tatsächlich spielen. Beides hat seinen Reiz. Für den zweiten Zweck ist eine vorhandene Abo-Bibliothek der wesentlich unkompliziertere Einstieg. Dauerhafter Modulbesitz wird daraus allerdings nicht.
Mole Mania: Der naheliegende Weg liegt manchmal unter dir
Mole Mania von 1996 verbindet seine Rätsel mit dem Wechsel zwischen Oberfläche und Untergrund. Hindernisse, Gegenstände und erreichbare Wege müssen auf zwei Ebenen zusammen gedacht werden. Der Maulwurf hat damit einen ziemlich brauchbaren Vorteil gegenüber jedem Helden, der stur vor der versperrten Passage stehen bleibt.
Unser erster Anlaufpunkt in dieser Auswahl wäre Mole Mania. Die Idee schafft eine andere Art der Herausforderung als ein Reaktionstest: Ein Problem verändert sich, sobald man es räumlich anders betrachtet. Kleine Erkenntnismomente tragen mehr als ein möglichst lauter Auftritt.
Deshalb würden wir dem Spiel die ersten Versuche ohne Komplettlösung gönnen. Wenn es hängt, gehört die Entdeckung des Weges zum Reiz. Eine Lösung kann helfen; sie kann einem aber auch genau den Gedanken abnehmen, wegen dessen man ein Rätselspiel gestartet hat. Die kleine Anzeige ist hier keine Ausrede für kleine Ideen.
Revenge of the ’Gator: Noch nicht ganz unten angekommen
Der Flipper von 1989 verbindet mehrere Bildschirmabschnitte vertikal. Rutscht die Kugel an einem Schläger vorbei, kann sie in einen tieferen Bereich gelangen, in dem neue Flipper und Ziele warten. Erst ganz unten ist endgültig Schluss. Ein Rückschlag bekommt damit manchmal noch eine zweite Etage.
Für uns ist das eine schöne Antwort auf den begrenzten Bildschirm. Statt den gesamten Tisch winzig darzustellen, wird er zu einer Folge kleiner Situationen. Du lernst, wo neue Chancen liegen und wie du wieder nach oben kommst.
Die Alligator-Optik ist verspielt, das Ziel bleibt angenehm direkt: die nächste Kugel besser kontrollieren und einen höheren Punktestand erreichen. Wer einen realistischen modernen Flipper erwartet, sollte umdenken. Hier geht es um eine eigene Arcade-Idee für die Tasche.
Welches Spiel zuerst?
Für Rätselneugierige würden wir Mole Mania wählen. Wer einen ungewöhnlichen Action-Plattformer sucht, beginnt mit Avenging Spirit. Revenge of the ’Gator passt zur kurzen Runde mit einem klaren Punktziel – wobei „kurz“ bei Flippern bekanntlich zunächst nur eine Absichtserklärung ist.
Fehlt ein Spiel in deiner App, prüfe Aktualisierung, Mitgliedschaft und die regionale Bibliothek. Die Game-Boy-Advance-App mit anderen Neuzugängen gehört zu einer anderen Abo-Stufe. Für diese drei Game-Boy-Spiele extra das Erweiterungspaket zu buchen, wäre nach der genannten Zuordnung unnötig.
Unser Urteil zur Auswahl: Genau für solche weniger allgegenwärtigen Titel lohnt eine Retro-Bibliothek. Drei Spiele nutzen denselben kleinen Bildschirm für drei sehr verschiedene Aufgaben. Sie erinnern daran, dass Game-Boy-Geschichte mehr enthält als die Originalmodule, deren Namen ohnehin jeder sofort nennen kann.
