Eine Konsole für den Tisch
Das Entex Select-A-Game erschien 1981 und verbindet Merkmale einer Modulkonsole mit denen eines elektronischen Tischspiels. Sein Bildschirm sitzt bereits im Gehäuse, sodass kein Fernseher benötigt wird. Trotzdem handelt es sich nicht um ein handliches Gerät im späteren Game-Boy-Stil. Die breite Konstruktion wird sinnvollerweise auf einen Tisch gestellt. Zwei gegenüberliegende Bedienbereiche erlauben gemeinsame Partien, ohne dass separate Controller verteilt werden müssen. Diese Bauform erklärt den Charakter des Systems besser als die häufig verwendete Sammelbezeichnung Handheld: Select-A-Game ist transportabel, für das eigentliche Spielen aber als kleines Tischgerät gedacht.
Der Produktname beschreibt die wichtigste Erweiterungsmöglichkeit. Anders als viele elektronische Spiele mit einer einzigen fest vorgegebenen Spielidee akzeptiert das Gerät austauschbare Module. Ein gekauftes Grundgerät sollte damit für verschiedene Spiele verwendet werden können. Gleichzeitig bleibt die Anzeige stark spezialisiert und deutlich einfacher als der Bildschirm einer späteren tragbaren Konsole. Das Ergebnis liegt zwischen zwei Produktwelten: flexibler als ein einzelnes fest programmiertes Elektronikspiel, aber enger begrenzt als eine vollwertige Fernsehkonsolenplattform mit umfangreicher Grafik. Gerade diese Zwischenstellung macht das Entex-System für die Geschichte mobiler und kompakter Unterhaltung interessant.
Eine leuchtende Anzeige mit festen Grenzen
Die Originalanleitung bewirbt ausdrücklich eine zweifarbige Fluoreszenzanzeige. Gemeint ist eine Vakuumfluoreszenzanzeige, kurz VFD. Sie sollte nicht mit einem LED-Raster oder einem modernen LCD verwechselt werden. Leuchtende Elemente in Rot und Blau stellen Figuren, Schüsse und Spielmarkierungen dar. Das Raster umfasst 7 mal 16 Positionen und bietet damit nur wenig Raum für grafische Details. Spielobjekte müssen auf wenige Lichtpunkte reduziert werden. Die Formen sind deshalb nicht realistisch, aber bei passenden Regeln gut unterscheidbar. Man erkennt ein Ziel vor allem an Position und Bewegung, nicht an einer aufwendig gezeichneten Figur.
Zusätzliche Auflagen für den Bildschirm geben den Leuchtpunkten einen spielbezogenen Rahmen. Ein Spielfeld, eine Umrandung oder aufgedruckte Gestaltung kann die Bedeutung der elektronischen Anzeige ergänzen. Solche Overlays sind keine zusätzliche Rechenleistung und erhöhen nicht die tatsächliche Auflösung. Sie zeigen vielmehr, wie Hardware und gedruckte Grafik zusammenarbeiten konnten. Bei einem unvollständigen Exemplar fehlt dadurch möglicherweise ein Teil der ursprünglichen Präsentation, obwohl die Elektronik noch funktioniert. Für eine vollständige Sammlung gehören daher nicht nur Grundgerät und Module zusammen, sondern auch die jeweils vorgesehenen Auflagen und Spielanleitungen.
Rechentechnik im Spielmodul
Die wechselbaren Module enthalten wesentliche Spielelektronik einschließlich des für das jeweilige Spiel benötigten Prozessors. Das Grundgerät stellt vor allem Anzeige, Eingaben und Versorgung zur Verfügung. Diese Verteilung unterscheidet sich von Systemen, bei denen alle zentralen Rechenfunktionen dauerhaft in der Konsole sitzen und ein Modul hauptsächlich Programmdaten liefert. Bei Select-A-Game ist das Spielmodul deshalb ein erheblicher Teil der eigentlichen Maschine. Ein Fehler kann sowohl im Grundgerät als auch in dieser austauschbaren Elektronik liegen. Eine Diagnose mit nur einem einzigen Modul erlaubt entsprechend keine sicheren Rückschlüsse auf sämtliche Funktionen des Systems.
Für die historische Einordnung ist auch die Größe der Bibliothek wichtig. Sechs veröffentlichte Spiele werden für das reguläre System dokumentiert. Ankündigungen und nicht veröffentlichte Projekte dürfen nicht einfach zu dieser Zahl addiert werden. Zu den bekannten Titeln zählen Space Invader 2 sowie verschiedene Sportspiele, darunter Basketball, Football und Baseball. Auch Pac-Man 2 gehört zur kleinen Bibliothek. Space Invader 2 lag dem System als Modul bei. Die Formulierung eines eingebauten Spiels wäre deshalb irreführend: Der Titel ist Bestandteil des ursprünglichen Angebots, benötigt aber weiterhin sein austauschbares Modul und ist nicht dauerhaft im Grundgerät gespeichert.
Zwei Spieler an einer gemeinsamen Anzeige
Die beiden Tastenfelder sitzen an entgegengesetzten Seiten des zentralen Displays. Jede Seite besitzt sieben Tasten, deren Funktion vom eingesetzten Spiel abhängt. Vier davon bilden eine Richtungsanordnung, weitere Tasten übernehmen zusätzliche Aktionen. Die spiegelbildliche Gestaltung unterstützt die Idee, dass sich zwei Menschen am Tisch gegenübersitzen. Es gibt keine abnehmbaren Pads und keine Controllerkabel, die den Abstand zum Display vergrößern könnten. Das System bringt die Spieler deshalb eng an dieselbe kleine Spielfläche. Diese gemeinsame Blickrichtung ist ein wesentlicher Bestandteil seines ursprünglichen Spielgefühls.
Die geringe Anzahl an Leuchtpunkten beeinflusst den Ablauf stärker als bei einem Fernseher mit frei gestaltbarer Grafik. Bewegungen erfolgen auf klar getrennten Positionen, und die Zahl gleichzeitig unterscheidbarer Objekte bleibt überschaubar. Sportspiele müssen Regeln so vereinfachen, dass Ball, Spieler und Ziele trotzdem verständlich bleiben. Bei einem Weltraumspiel wiederum können wenige Punkte bereits ausreichen, um Angreifer und Geschosse darzustellen. Die Qualität entsteht aus gut lesbaren Situationen und direkter Reaktion. Ein Vergleich mit einem späteren Bildschirmspiel sollte diese Gestaltung unter engen technischen Grenzen berücksichtigen, statt nur die Anzahl der sichtbaren Farben zu zählen.
Versorgung und Abgrenzung zur Adventure Vision
Select-A-Game wird laut Originalunterlagen mit vier Batterien der Größe C betrieben; eine geeignete externe Versorgung ist ebenfalls vorgesehen. Das erklärt, warum es ohne Fernseher und ohne fest installierten Spielplatz genutzt werden konnte. Seine Abmessungen bleiben dennoch deutlich größer als die eines Taschenhandhelds. Vor der Inbetriebnahme eines erhaltenen Exemplars sollte das Batteriefach auf ausgelaufene Zellen und angegriffene Kontakte geprüft werden. Bei externer Versorgung sind die konkreten Geräteangaben maßgeblich. Ein beliebiges Netzteil mit passendem Stecker ist kein hinreichender Ersatz für die vorgesehene elektrische Versorgung.
Nicht verwechselt werden sollte das System mit der Entex Adventure Vision. Diese erschien später, besitzt eine andere Anzeige mit LEDs und rotierendem Spiegel und verwendet eigene Module. Beide Geräte zeigen den Versuch von Entex, eine erweiterbare Spieleplattform mit integriertem Bildschirm anzubieten. Technisch sind sie jedoch grundverschieden. Module und Anzeigen gehören nicht zu einer gemeinsamen kompatiblen Familie. Die auf dieser Seite angebotene englische Originalanleitung beschreibt Select-A-Game. Sie hilft bei der Zuordnung von Bedienung, Zubehör und Versorgung, ersetzt aber nicht die individuellen Regeln jedes einzelnen Spielmoduls. Zusammen mit dem vollständig erhaltenen Tischgerät dokumentiert sie einen eigenständigen Weg zu wechselbaren Spielen ohne Fernseher.
Häufige Fragen zu Entex Select-A-Game
1. Ist Select-A-Game ein klassischer Handheld?
Es ist transportabel und besitzt einen eigenen Bildschirm, seine breite Bauform und die gegenüberliegenden Tastenfelder sind jedoch für das Spielen auf einem Tisch ausgelegt.
2. Welche Bildschirmtechnik verwendet Entex?
Eine zweifarbige Vakuumfluoreszenzanzeige mit roten und blauen Leuchtpunkten. Es handelt sich weder um einen LCD-Bildschirm noch um die Spiegelanzeige der Adventure Vision.
3. Ist Space Invader 2 fest eingebaut?
Nein. Der Titel wurde als Spielmodul mitgeliefert und benötigt dieses Modul auch zum Spielen.
4. Wie viele veröffentlichte Spiele gibt es?
Für das ursprüngliche System sind sechs veröffentlichte Titel dokumentiert. Bloße Ankündigungen werden dabei nicht mitgezählt.
5. Passen Adventure-Vision-Module?
Nein. Entex Adventure Vision und Select-A-Game sind technisch unterschiedliche Systeme mit jeweils eigenen Modulen.
Originaldokumente
Bedienungsanleitung Entex Select-A-Game
Hier kannst du die Bedienungsanleitung für Entex Select-A-Game als PDF öffnen und speichern. Beachte die folgenden Hinweise zur Modellvariante und zur regionalen Ausführung.
Bedienungsanleitung Entex Select-A-Game als PDF öffnen
Die PDF-Datei ist direkt bei Classic Gamez gespeichert.
Englische Entex-Originalanleitung, acht PDF-Seiten. Für Select-A-Game mit zweifarbiger Fluoreszenzanzeige; nicht für Adventure Vision.
Anschlüsse und Netzteilangaben immer mit der Modellnummer des eigenen Geräts abgleichen.
